Philosophy Lexicon of Arguments

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I 333
Funktionale Erklärung/vorwärtsblickende Theorie/Funktion/Bigelow/Pargetter:
1. ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter:
I 334
Bsp Angenommen, ein Muster hat normalerweise eine bestimmte Wirkung und ist durch natürliche Selektion entstanden. Dann sagt die ätiologische Theorie, da es jetzt eine Funktion dieses Musters ist.
Dazu muss es in der Vergangenheit eine relevante Wirkung in einer hinreichenden Anzahl von Fällen gegeben haben.
Pointe: die entsprechenden Situationen sind keine, die zufällig ausgesucht wurden, sondern solche, in denen der Effekt angemessen war. In diesen Situationen trägt er zum Überleben bei.
Propensität/Überleben/Bigelow/Pargetter: obwohl die Wahrscheinlichkeits--Gesetze zulassen, dass es eine lange Reihe von Zufällen gibt, ist das sehr unwahrscheinlich. Normalerweise wird es eine Propensität hin zum Überleben des Individuums geben.
Funktion/Bigelow/Pargetter: wenn es nur eine Reihe von Zufällen gibt, sprechen wir sicher nicht von Funktion.
I 335
Ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter: interpretieren wir so, dass sie die Funktion für die ganze Zeit zuschreibt, auch schon, bevor sie zum Überleben beitrug! Damals trug sie zu einer Propensität bei.
Umwelt: auch dies muss auf die Umwelt relativiert werden. Wenn diese plötzlich wechselt, kann es Mehrdeutigkeiten der Angepasstheit geben.
I 336
Funktion/Bigelow/Pargetter: Funktionen können beschrieben werden als Komponenten eines Organismus in absteigender Hierarchie von Komplexität. Bsp Körperteile, aber auch Zellen haben Funktionen.
Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: nach ihr sind die Funktionen daher relationale Eigenschaften.
Und sie sind dispositional. Das ist auch dann wahr, wenn das Individuum nicht überlebt oder niemals in seiner normalen Umwelt ist.
I 337
Erklärung/Bigelow/Pargetter: die so (als Propensitäten) interpretierten Funktionen erklären das Überleben durch kausale Information, als Warum-Erklärung.
Propensitäts-Theorie/Artefakte/Bigelow/Pargetter: kann sie auch auf Artefakte angewendet werden, ebenso gut wie auf biologische Muster? Sie kann Teil einer übergreifenden Theorie sein, aber bei Artefakte gibt es wieder das Problem des Rückwärts-Blickens (s.o.).
Lösung/Bigelow/Pargetter: These wir schlagen als vorwärtsblickende Theorie für biologische Muster wie für Artefakte eine Theorie der Propensität für Selektion vor.
I 338
Damit haben alle Funktionen, seien sie biologische oder die von Artefakten, etwas gemeinsam.
I 338
Funktion/Fitness/Kausalerklärung/Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: es kann sein, dass ein Organismus nicht überlebt, obwohl er eine Funktion zum Überleben ausgebildet hat. Aber wenn er überlebt, dann wegen dieser Funktion.
VsPropensitätstheorie/Bigelow/Pargetter: Bsp eine Struktur dient überhaupt keinen Zwecken, Angenommen, seine Umwelt ändert sich, und plötzlich dienen seine Funktionen dem Überleben. Dann müsste unsere Propensitätstheorie sagen, dass die Struktur neuerdings eine Funktion hat. Bsp Angenommen, man könnte sagen, dass Herztöne die Funktion hat, Ärzte zu alarmieren. Aber erst in diesem Jahrhundert, das scheint falsch.
ätiologische Theorie: sagt, dass Herztöne keine solche Funktion haben, weil sie nicht dafür entwickelt wurde.
Bigelow/Pargetter: dennoch der Grund, warum wir den Herztönen eine Funktion absprechen möchte ist nicht, dass sie keine Evolutionsgeschichte der gewünschten Art hat.
I 339
sondern weil die Herztöne eine unvermeidliche Verbindung mit der Funktion des Blutpumpens haben. Die Herztöne produzieren keine Propensität zum Überleben.
Dem entsprechen Beispiele für Funktionen, die es früher gab, die heute aber ihre Funktion verloren haben:
VsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: diese nimmt an, dass das Muster keine Funktion hat.
ätiologische Theorie: nimmt an, dass es eine Funktion hat, egal wofür sie gebraucht wurde, und wofür sie entwickelt wurde.
Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: gibt im Allgemeinen bessere Erklärungen. Wir können sagen, daß es früher diese Funktion gab, diese aber unglücklicherweise schädlich für das Individuum wurde.
I 340
Erklärung/Bigelow/Pargetter: eine Propensität kann eine erklärende kausale Rolle spielen, während die Tatsache, daß etwas einen historischen Ursprung hat, keine spielt. Das zeigt uns, dass die Propensitätstheorie so starke Vorteile hat, dass es gerechtfertigt scheint, Gegen-Bsp wegzudiskutieren.

Paul GriffithsVsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: eben weil Fitness vorwärtsblickend ist, sollten Funktionen rückwärtsblickend sein. Und den Begriff „Funktion“ können wir überhaupt zugunsten von „Fitness“ aufgeben.
BigelowVsVs: Funktion und Fitness können unabhängige Rollen spielen.
Fitness: Eigenschaft eines Organismus
Funktion: Funktionen spezifizieren die Eigenschaften, die zusammen zur Fitness beitragen. Und hier können wir auch fragen, warum sie das tun.
Information/Bigelow/Pargetter: eine Zuschreibung von Fitness bricht auseinander in die Zuschreibung vieler Funktionen. So sind Funktionen in einer Hinsicht informativer, in anderer Hinsicht weniger informativ als Fitness.
a) sie sagen uns nichts über den Grad von Fitness, aber
b) jede sagt uns nicht nur, welche Merkmale beitragen, sondern auch warum.
I 341
Artefakt/Fitness/Bigelow/Pargetter: bei Artefakten geht es nicht um Fitness, also kann Funktion nicht durch sie überflüssig gemacht werden. Daher kann Fitness bei ihr auch nicht redundant sein. Aber statt dessen kann hier in analoger Weise Nützlichkeit redundant sein.
Propensitätstheorie/Lösung/Bigelow/Pargetter: liefert einen einheitlichen Begriff von Funktion der auch auf Artefakte zutrifft.

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Explanation of symbols: Roman numerals indicate the source, arabic numerals indicate the page number. The corresponding books are indicated on the right hand side. ((s)…): Comment by the sender of the contribution.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990


> Counter arguments against Bigelow



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Ed. Martin Schulz, access date 2017-06-23